Mein großes Vorbild Opa Eckhard

24. Juni 2025 um 17:02 Uhr

Zivilcourage

Die Sechsjährige saß hinten in der Eckbank in der Küche und spielte mit ihrer Puppe. Sie beobachtete Mama bei der Zubereitung des Mittagessens. Gerade war Papa Eckhard gekommen und erzählte von der guten Weizenernte in diesem Jahr. Er war Bauer.

Da klopft er es plötzlich heftig an der Tür. Herein tönt es aus Eckhards Mund. Zwei Männer von der Sturmabteilung (SA) in brauner Kleidung und Knie hohen Stiefeln traten ein, schlugen die Hacken zusammen und grüßen mit dem damals typischen Nazi-Gruß.

Guten Morgen, antwortete der Vater. Was wollt ihr?
Wir haben Befehl, eure Tochter Ruth in ein schönes Kinderheim mitzunehmen, denn sie ist ja behindert.

Das Kind hat mehrere Fußoperationen hinter sich und wird nach Auskunft unseres jüdischen Arztes wieder vollkommen gesund werden. Sie wird nicht in ein Kinderheim verschleppt!

Dann wurde es plötzlich sehr still in der Küche. Papa Eckhard öffnete die Küchentür, soweit das ging und brüllte im Befehlston, den man drei Häuser weiter hören konnte: RAUUUUUS ! Die beiden Feiglinge schlugen die Jacken zusammen, grüssten schüchtern und verschwanden. Leider ist der Mordversuch an Kindern in dieser Zeit nicht überall so glimpflich abgegangen.

Die Sechsjährige wurde später meine Mutter und hat sieben weitere prächtige Kinder zur Welt gebracht. Danke, Opa, ich wünschte, ich hätte halb so viel Zivilcourage!

Großer Mut

Sie saßen an einem langen Tisch in der Sonne, in der Mitte des Bauernhofes, knapp 20 Männer in bäuerlicher Arbeitskleidung und ließen es sich offensichtlich gut schmecken. Der ältere Bauer stand auf, hob die Hand und betete ein. Danke Gebet.

Die Männer redeten in unterschiedlichen Sprachen, verstanden sich aber offensichtlich gut trotz fehlender Worte.

Plötzlich ein gellender Schrei in diese entspannte Runde: Ein Nazi-Gruß – keiner erwiderte ein Wort. Und dann kamen sie auch schon. Zwei Nazi Schergen stellten sich vor den Bauern, meinem Großvater Opa Eckhard und schnautzten im Befehlston:

Die Untermenschen vom Tisch!

Opa drehte den Kopf langsam nach rechts und dann nach links und sagte:
Ich sehe keine Untermenschen! Und die Kriegsgefangenen, die Zwangsarbeiter bleiben bei mir am Tisch. Es ist schlimm genug, was ihr mit ihnen angerichtet habt.

Im nächsten Moment hat der Opa die Pistole des einen SA– Mannes an der Schläfe.

Sofort die Untermenschen vom Tisch, brüllte er.
Opa antwortete im ruhigen Ton: drück doch ab, du hast doch nur eine braune Hose an, dass man nicht sieht, dass du sie voll geschissen hast.
Die Luft knisterte, als der Nazi seine 08 einstreckte und mit seinem Kameraden verschwand.

Mein Opa hat Glück gehabt – aber auch Mut.